Sie sind hier: Heimat und Geschichte

Vorwort


Vor etwa 1000 Jahren müssen sich hier im heutigen Bülgenauel die ersten Menschen niedergelassen haben.In der ersten bekannten Urkunde vom 28. Februar 1396 bestand der Ort aus einem einzelnen Hof mit mehreren Gebäuden


Der Name Bülgenauel hat folgende Bedeutung.


Buyrch-Bulge-Bulch-Bülch -------wurde eine Ausbuchtung oder Bogen genannt.(Siegbogen)

Auwel-au-auel-aue -----------------ist eine feuchte Uferwiese.





Viele Dörfer in unserer Gegend enden mit AU oder Auel.

Daher kommt auch der Name Auelgau wie man früher den heutigen Rhein-Sieg-Kreis nannte.



Ab dem 17.Jahrhundert wurde langsam ein Dorf aus Bülgenauel.
Die Menschen lebten mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft und dem Weinanbau an den Hängen des Stachelberges. Die Menschen in Bülgenauel waren arm. Von den Ernteerträgen und den Erzeugnissen ihrer Landwirtschaft blieb meist nur so viel übrig, um davon selbst leben zu können. Etwas auf den Märkten zu verkaufen, war kaum möglich
Das alte Dorf Bülgenauel unterschied sich durch das "Rittergut" von den vielen anderen Dörfern ringsum. Ansonsten war das Ortsbild geprägt von einfachen Fachwerkhäusern, in denen die arme Bevölkerung ihr Leben fristete.

Bülgenenaul
war im Mittelalter eine Honschaft. So nannte man damals die kleinsten Verwaltungsbezirke. Mehrere Honschaften wiederum waren in einem Kirchspiel zusammengefasst. Heute würde man dazu Gemeinde sagen.
Die Honschaft Bülgenauel gehörte zum Kirchspiel Uckerath.

DER RITTERSITZ BÜLGENAUEL



In der ersten bis jetzt bekannten Urkunde vom 28. Februar 1396 wird ein

Johann von "BUYRCHENAUE" mit seiner Frau Agnes von Hondenberg sowie ihrem Sohn Henne von Hondenberg genannt.

Eine zweite Urkunde vom 24.Februar 1407

Johann vom Scheide und Neta (Agnes) seine Frau, sowie Johan von Hunnenberg,Netten soen (der Agnes Sohn) verkaufen dem Aillfe vam Steynhuse genannt Muge (Adolf vom Steinhaus genannt Much)
20 Malter Roggen jährlich aus Ihem Hof zu "BULGENAUWEL"
Es siegelten Johan vom Scheide , Johann von Hunnenberg und die Schöffen von Blankenberg.

Die dritte Urkunde vom 28.August 1408.

Johann von Hunenberg und Styna, seine Schwester bekennen für sich und ihre Erben, daß ihre verstorbene Mutter und Johann vom Scheide, Eheleute, dem Pastor der Kirchspielskirche zu Geistingen, Peter Meysenbach, eine Reihe von Grundstücken, darunter sieben Viertel Weingarten, gelegen in der Stachelhardt, zum Nutzen des Gotteshauses zu Bödingen verkauft haben.

Die Siegel des Johann vom Scheide sind heute noch gut Erhalten und zeigt im Wappenschild oben drei Scheiben vermutlich Weisspfennige der später unter dem Namen "WESCHPFENNIG" erscheint.

Der bereits 1396 erwähnte Johann von Buyrchenaue ist identisch mit dem 1407 und 1408 genannten Johann vom Scheide.Das ergibt sich aus einer Urkunde vom 14.November 1391, in der Herzog Wilhelm von Berg mit Bürgermeister, Rat und anderen Bürgern der Stadt Köln auf zehn Jahre eine Sühne schließt und in der neben weiteren Adeligen an dritter Stelle

"JOHAN VOM SCHEIDE GEHEISSEN VAN BURCHENAUWE" genannt wird.

Der bereits mehrfach erwähnte Johan vom Scheide besaß demnach die erste urkundlich genannte Hofanlage in Bülgenauel.

Quelle: Hauptstaatsarchiv Düsseldorf





Die alte Wappendevise des Johan vom Scheide "AUDACTER ET CONSTANTER" (Kühn und Beständig)


ist auch für die heutigen Bülgenauler noch bezeichnend.



Die Erbfolge wird durch Streitereien und Prozesse danach nur spärlich beschrieben,und wird weiter verfolgt.



Die folgende Urkunde ist daher erst von 1738


Hofrat Peter Josef von Proff erhielt am 30. Mai 1738 in einem Erbvergleich mit seiner Tante Margaretha Krumbach den Hof Bülgenauel zugesprochen.

Als sein Erbe 1766 unter den Kindern geteilt wurde, fielen der Rittersitz Bülgenauel an Maria Cordula Theresia, Ehefrau des Kölner Hofkammerrates Maagh.



Weitere Archive werden zur Zeit noch recherchiert.




Heute ist der Hof Bülgenauel im besitz der Familie Reinhold Schmitz.

Wappen von 1391












Die gewöhnliche Einteilung der Zeit für die arbeitende Klasse:

Im Sommer und zwar vom 1. Mai an beginnt die Arbeit im Felde morgens um 5 Uhr und dauert bis 7 Uhr. Um 7 Uhr wird das Frühstück eingenommen. Von 8 Uhr an dauert dann die Arbeit bis 11. Um 12 Uhr wird das Mittagsmahl eingenommen, dann ist Ruhestunde bis 2 Uhr, von welcher Zeit die Arbeit wieder fortgesetzt wird bis 4 Uhr, wo dann das sogenannte Vesper- oder Vieruhrbrot eingenommen wird und nun wird die Arbeit bis 8 Uhr abends fortgesetzt, es wird zu Abend gegessen und man legt sich schlafen. So geht dies bis Michaeli (29.9.) fort. Von dieser Zeit an beginnt die Arbeit erst um 7 Uhr morgens und dauert bis Mittag und von nachmittags 2 Uhr bis 7 Uhr.

Wohnverhältnisse:

Wenngleich in den beiden Städten Siegburg und Königswinter die Wohnungen im allgemeinen... gut gebaut sind, ..., so findet man dagegen auf dem Land meist das Gegenteil davon.... Das Erdgeschoss ist in den meisten Wohnungen nicht gediehlt und (es) wird in demselben Gemache gearbeitet, geschlafen, gekocht, ... (es) ist Geschäftszimmer, Krankenstube, Geburtslager und Totenkammer. Die Fenster an diesen Hütten sind oft nur Löcher, ..., worin dann ein Stück Glas von 3-4 Zoll Durchmesser gefasst ist.... Diese Fenster sind fest und können nicht anders geöffnet, als wenn sie ganz herausgenommen werden, was höchstens im Sommer mal geschieht.... Eine einzige solche elende Stube, eine kleine Küche, worin fürs Vieh gekocht wird, ... neben der Küche ein erbärmlicher Kuhstall, machen das ganze Gebäude aus.

Medizinische Topografie des Siegkreises“ von Dr. Anton Lohmann (1829/30):


Das Dorf Bülgenauel


Das Dorf Bülgenaul liegt jahrhundertelang abseits und am Rande. Das Siegtal ist noch nicht erschlossen. Nur bei Niedrigwasser der Sieg ist es möglich, durch die Furten bei "Aul",jetzt Auel und Stein mit Fuhrwerken den Fahrweg nach Hennef zu erreichen. Sonst halten Fähren an diesen Stellen den Verkehr aufrecht.
Der einzige ganzjährig befahrbare Weg führt durch die "HOLL" nach Attenberg und über Süchterscheid nach Uckerath zur Frankfurter Straße.
Bülchenaul gehört zum Kirchspiel Uckerath, und so müssen die Einwohner die dortige Pfarrkirche besuchen. Gleichfalls ist Uckerath der weltliche Verwaltungsort, ab 1815 der Bürgermeisterei Uckerath.
Wer eine amtliche Verrichtung vorzunehmen hat benötigt dafür fast einen ganzen Reisetag.
Erst mit dem Bau der Siegtalstraße um 1850 erhält "Bülgenauel"wie es jetzt heißt einen Zugang zur Ebene in Richtung Hennef und flußaufwärts nach Eitorf.
Die Eisenbahn, am Bahnhof "Marten"jetzt Merten,erreichbar, erleichtert die Fahrten in die "weite Welt", nachdem die Strecke Köln-Deutz-Gießen 1859 zunächst bis Eitdorf befahren wird.
Das Dorf gewinnt den Anschluß an das moderne Leben.
Die Straße durch das Siegtal und die Eisenbahn beenden die Absonderung.
Die Öffnung der neuen Verkehrswege bewirkt, daß die Bevölkerung wächst und sich ein dörfliches Eigenbewußtsein entwickelt.
Das Dorf lebte überwiegend von der Landwirtschaft, und bis 1907 von der Winzergemeinschaft auf dem Stachelhardt ,die Weinberge bewirtschaftete und die Kelter betrieb.
In der noch sauberen Sieg benutzte der Fischerverein neben der Angel auch noch das Netz.
1908 wurde die Wasserleitungsgesellschaft gegründet. In Eigenarbeit wurde der ganze Ort mit eigenem Quellwasser versorgt.

Quelle: Prof.Dr. Helmut Fischer